Parkende Fahrräder

Fahrräder für Flüchtlinge – Gute Idee oder überflüssig?

Die Gelsenkirchener Grünen haben sich jetzt eine Idee abgeguckt aus Bottrop – Fahrräder sammeln. Für Flüchtlinge. Also genauer, für Flüchtlinge, die – zumindest erstmal – in Deutschland bleiben dürfen. „Radgeber“ heißt die Aktion…

Die Idee dahinter: Wenn sich diese… hmm… ehemaligen Flüchtlinge… (wie heißen die dann eigentlich? Asylbeziehende? Ex-Flüchtlinge? Ich versuch es mal mit Menschen) …wenn sich also diese Menschen dann hier in Gelsenkirchen niederlassen wollen, dann brauchen sie auch eine Möglichkeit von A nach B zu kommen. Zu Fuß geht nicht alles, Busse und Bahnen sind teuer, Fahrräder sind also an sich eine gute Idee. Vor allem, weil sich die Grünen auch gleich noch mit der Verkehrswacht Gelsenkirchen zusammentun, um den Menschen, die es noch nicht können, auch gleich noch das Fahrradfahren und unsere Verkehrsregeln beibringen wollen. Ich finde, dass ist eine gelungene Idee.

So denkt aber – natürlich nicht überraschend – nicht jeder. In einer Umfrage (nicht repräsentativ, aber trotzdem) haben sich gleich mehrere anders geäußert. „Was sollen die Flüchtlinge denn mit Fahrrädern?“ oder „Erst mal den eigenen Leuten spenden!“ kam da – dazu möchte ich gerne etwas sagen:

a) Was sollen die mit Fahrrädern?

Tja… Was sollen Menschen, die hier in Deutschland leben dürfen, mit Fahrrädern? Vielleicht ein wenig Normalität genießen?! Die allermeisten Asylsuchenden, und vor allem die, die dann auch noch welches in Deutschland bekommen, sind ziemlich arme Schweine. Um es mal deutlich zu sagen. Diese Menschen sind vor Krieg und Terror, vor Elend und Verzweiflung geflohen, nur um irgendwo anders noch mal eine Chance zu bekommen. Völlig egal, ob es die medial oft beschworenen gut ausgebildeten Ingenieure oder auch nur ungelernte Hilfsarbeiter sind – wer zu Hause Gefahr läuft, weggebombt, erschossen, geköpft, vergewaltigt, etc. zu werden, für den ist das zu Hause kein zu Hause mehr. Zumindest erst mal. Und diese Menschen fliehen. Verstehe ich gut. Und wenn diese Menschen dann versuchen, hier Fuß zu fassen, dann kann so ein Fahrrad ein so bedeutendes Stückchen Freiheit sein, das können wir uns nicht vorstellen…

b) Erst mal den eigenen Leuten spenden

Ja, eine gute Idee! Dann macht es doch einfach. Diakonie, Caritas, DRK… sie alle freuen sich immer über Fahrräder. Um sie an Bedürftige zu verteilen. Also auch Bedürftige, die in Deutschland bedürftig sind. Und sogar hier geboren! Nur weil es jetzt plötzlich eine neue große Gruppe Bedürftiger gibt, müssen die Spenden (ob Fahrräder oder Lebensmittel oder Möbel oder was auch immer) für die „alten“ Bedürftigen ja nicht aufhören. Das eine schließt das andere ja nicht aus! Und wer wirklich partout nicht für Flüchtlinge spenden will, der kann ja trotzdem etwas Gutes tun (auch wenn das aus meiner Sicht an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten wäre… „Hier, schaut: Ich tue etwas Gutes um Menschen zu helfen. Aber halt nicht jedem Menschen… Müssen halt im richtigen Land geboren sein. Oder Hartz-IV beziehen. Oder obdachlos sein. Oder im richtigen Sternzeichen geboren…“)

So… Wer jetzt sein altes Fahrrad (verkehrstüchtig… sollte sich von selbst verstehen) abgeben möchte, der kann das tun: Freitag, 25.09., Domplatte Buer. Oder danach im Büro der Grünen in der Gelsenkirchener Innenstadt.

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